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Heinz-Peter Wilbertz: Berichte und persönliche Worte zur Weihe zum Diakon und Priester

Weihe zum Priester - Heinz-Peter Wilbertz

Heinz-Peter Wilbertz Weihe zum Priester

Ich sage DANKE – vergelt‘s Gott –  und wage einen Ausblick

Der Pfingstsamstag 2025, der Tag meiner Priesterweihe im Hohen Dom zu Trier, war ein Höhepunkt meines geistliches Leben. Und es waren unvergessliche Stunden für mich. Als ich an diesem Morgen vom Gästehaus der Josefsschwestern zum Dom ging, wusste ich: Du gehst da jetzt nicht alleine hin. Ich fühlte mich getragen von Anteilnahme und Gebet – aus meiner kleinen Familie, Freunden, Bekannten und von Ihnen, die sie sich auch auf den Weg nach Trier gemacht oder Zuhause an mich gedacht haben.

Die Liturgie der Weihe war überwältigend. Ein ganz besonderer Moment war für mich die Handauflegung. Als der Bischof in feierlicher Stille seine Hände auf meinen Kopf auflegte, durchströmte mich so etwas wie ein innerer Friede. Danach traten einer nach dem anderen die anwesenden Priester des Bistums hinzu. In diesen Augenblicken wurde mir bewusst: Ich werde aufgenommen in eine Gemeinschaft von Brüdern – getragen von ihrem Gebet, verbunden im selben Auftrag, im selben Vertrauen auf Christus.

Nach dem feierlichen Gottesdienst war ich erfüllt – aber auch ergriffen. Die vielen Umarmungen, Glückwünsche, segensreichen Worte... Ich konnte kaum in Worte fassen, was in mir vorging. Sie waren ein Spiegelbild der vielfältigen Verbindungen mit mir. In diesen bewegenden Minuten haben Sie mir gezeigt: Dieser Weg ist nicht nur meiner – er ist ein Weg, auf dem Gott durch viele Herzen wirkt.

Zwei Tage später durfte ich meine Primiz feiern. Sie war in St. Franziskus. Es war mir ein großes Anliegen, dort meine erste Heilige Messe zu feiern, weil ihr Kirchenpatron gleichzeitig der Begründer der großen franziskanischen Gemeinschaft ist, deren Weltorden ich angehöre. Es war bewegend, dort nun am Altar zu stehen – nicht mehr als Diakon, sondern als Priester. Überwältigt hat mich auch hier die große Anteilnahme. Ich kann mich nicht erinnern, die Kirche so voll besetzt gesehen zu haben.

An dieser Stelle auch ein ganz herzliches Dankeschön für den Kelch und die Hostienschale, über die ich mich sehr gefreut habe.

In meiner Vorstellung als Diakon habe ich damals Claudia Hofrichter zitiert: Ich träume von einer Kirche, die „offen ist für alle Menschen, die ihnen zuhört, die eine Sprache spricht, die die Menschen verstehen […]die die Menschen ernst nimmt mit ihren Sehnsüchten und Wünschen, die mit Gott rechnet mitten im Alltag, und stets unterwegs ist mit ihm.“

Diesen Traum träume ich noch immer und möchte ihn ergänzen um einen Gedanken in Anlehnung an den Theologen Gotthard Fuchs: Christsein ist eine ständige Pilgerwanderung. Durch Wüsten und Passagen voller Irritationen und Entdeckungen. Christsein ist demnach nie fertig. Vielmehr bleibt ein heftiges Begehren nach dem der fehlt – nämlich der vorausgegangene Jesus.

Bleiben wir gemeinsam Pilger der Hoffnung –

Heinz-Peter Wilbertz

Weihe zum Diakon - Heinz-Peter Wilbertz

Heinz-Peter Wilbertz ist seitlich von hinten zu sehen. Er kniet auf Stufen vor dem Trierer Dom, bekleidet in eine weiße Kutte, vor ihm steht der Bischof , er hat seine Hände auf den Kopf gelegt

Im Juli vergangenen Jahres bin ich Goldgruber geworden und habe mich von Anfang an dort sehr wohl gefühlt. Einer meiner ersten positiven Eindrücke war die Tatsache, dass nicht nur das Oberwerth, sondern auch die Goldgrube sehr grün ist. Auch für mein Diakonenamt ist der Umzug ein echter Gewinn. St. Franziskus ist direkt um die Ecke, die beiden Seniorenzentren Barbarakloster und Seniorenresidenz Moseltal sind nun für mich zu Fuß leicht erreichbar, das Zentrale Pfarrbüro mit dem Dienstsitz des Pfarrers in der Koblenzer Straße mit dem Fahrrad immer noch in bequemer Nähe.

Und damit komme ich nun nach einem längeren Anlauf auf die Frage zu sprechen, was denn nun genau ein Diakon ist und macht. Zunächst einmal: Die Weihe gehört zu den sieben Sakramenten der katholischen Kirche. Seit den ersten Jahrhunderten kennt die Kirche das dreistufige Amt  des Bischofs, Priesters und Diakons mit ihren verschiedenen Aufgaben. Für das Amt des Diakons gebrauche ich gerne wieder eine Kurzformel: „Ein Diakon dient!“ – und zwar in den drei Grundvollzügen der Kirche, der Verkündigung, der Liturgie (also alles, was mit der Vielfalt von Gottesdiensten zu tun hat) und der Diakonie/Caritas. Das heißt im Einzelnen:

Ich predige im Gottesdienst und tue das sehr gerne – immer mit dem Anspruch, die zeitlosen Wahrheiten der Bibel mit unserem Leben heute ins Gespräch zu bringen. Für den Diakon gilt aber vor allem ein Ausspruch des Heiligen Franziskus: „Verkünde das Evangelium,  wenn nötig, gebrauche Worte dazu.“ Soll heißen – durch die Art und Weise, wie ich lebe und handle, soll an mir die frohe Botschaft ablesbar sein. Ein hoher Anspruch, der nicht immer gelingen kann.

Die katholische Kirche kennt eine Fülle von Gottesdiensten – von der Heiligen Messe bis zu den vielen Formen der Andacht. An dieser Stelle möchte ich aber die gottesdienstlichen Feiern an den Lebenswenden hervorheben. Wir Diakone taufen, trauen und beerdigen. Besonders lieb und wichtig sind mir dabei die Gespräche mit den Menschen, um diese Feiern vorzubereiten. Denn hier findet vielfach Seelsorge statt, hier bringen wir Menschen in existentiellen Lebenslagen mit der Kirche zusammen, werden auf einmal Glaubens- und Lebensfragen thematisiert.

Und nun komme ich auf das eigentliche Bewährungsfeld des Diakons zu sprechen – die Diakonie bzw. die Caritas. Der erste Begriff kommt aus dem Griechischen und meint dienen, der zweite aus dem Lateinischen mit der Bedeutung der Nächstenliebe. Gemeinsam ist beiden eine Grundhaltung gegenüber Menschen, besonders Menschen in Not – und das ist ein weites Feld. Deshalb habe ich dankbar den Besuchsdienst von Schwester Alexa (Schwestern vom Heiligen Geist/Marienhof) übernommen, die aus alters- gesundheitlichen Gründen dieses Amt nicht mehr wahrnehmen konnte. Mein Schwerpunkt ist die Seniorenresidenz Moseltal. Aber auch im Barbarakloster lasse ich mich gerne blicken. Ich schenke alten Menschen, die an ihr Zimmer gebunden sind und nicht mehr an den Alltagsaktivitäten teilnehmen können meine Zeit, meine Aufmerksamkeit und mein Gehör. Im Stadtteil Goldgrube komme ich zu denen nach Hause, die keinen Gottesdienst mehr aufsuchen können und spende die Hauskommunion. Auch hier gilt: Ungeteilte Aufmerksamkeit schenken und ganz da zu sein, denn ich nehme viel Einsamkeit wahr und das Bedürfnis, einmal das Herz auszuschütten ist groß.

Bleibt zum Schluss noch die Frage zu beantworten: Was macht der Diakon zuhause und in der ihm verbleibenden Zeit? Auch da lässt mich das Diakonische nicht ganz los. Ich lese leidenschaftlich gerne – Theologisches und Seelsorgliches. Und – der Diakon ist ein Mann des Gebetes. Dazu gehört das Stundengebet mit dem Morgen- und Abendlob der Kirche. Mein Lieblingsgebet ist aber die kontemplative Meditation – das reine schweigende Dasein vor Gott. Eine besonders schöne Variante des Gebets ist für mich darüber hinaus das Singen - im Vokalensemble Lay, das coronabedingt  leider schon viel zu lange pausiert. Viel Freude bringt mir das Unterwegssein auf „Schusters Rappen“. Deshalb erwandere ich mit Begeisterung die Traumpfade unserer tollen Region. Manchmal begegne ich dabei sogar Gott.

Mit Hingabe da zu sein für die Menschen. Vielleicht kann ich so mein diakonisches Selbstverständnis überschreiben. Die Wohnung des Diakons ist immer offen für Gäste. Wollen sie einmal vorbeischauen – oder freuen sie sich auf einen Besuch? Ich bin für Sie da.

Ihr Diakon Heinz-Peter Wilbertz

Gutenbergstraße 14a

Telefonisch: 9145383 oder 01783589815